HDR-Fotografie auf Apple Displays:
Die magische Revolution der Bilddarstellung
15.01.2026 16:48 | Markus Poguntke
Ja, du liest richtig, wenn Technologie perfekt umgesetzt wird, kann das durchaus etwas Magisches haben ….
Die neue, fortschrittliche HDR-Fotodarstellung ermöglicht es, Motive auf geeigneten Bildschirmen besonders naturgetreu darzustellen. Während früher die Sonne im Gegenlicht und ein weisses Blatt Papier auf Fotos nur gleich hell dargestellt werden konnten, und somit keine realitätsgetreue Wiedergabe boten, erlaubt die aktuelle Technologie eine bis zu 16-fach höhere Helligkeit für die Sonne im Vergleich zum weissen Papier. Diese innovative Darstellung bietet ein deutlich authentischeres Bilderlebnis. Die Farbdarstellung profitiert auch von der zusätzlichen Helligkeit. Farben werden dadurch viel plastischer, intensiver und umfangreicher dargestellt. Hast du das einmal erlebt, willst du deine Fotos wahrscheinlich nie mehr anders sehen.
Da diese Innovation vielen Fotografie-Interessierten bisher weitgehend unbekannt ist, stellt unser Gastautor Markus, der auch Vorträge darüber hält, diese im folgenden Beitrag vor.
SDR vs. HDR: Was bedeuten SDR (Standard Dynamic Range) und HDR (High Dynamic Range)?
Der Dynamikumfang beschreibt, wie gross der Unterschied zwischen hellen und dunklen Bereichen ist, den wir wahrnehmen oder den ein Monitor anzeigen kann. Er gibt an, wie gut sowohl dunkle Schatten als auch sehr helle Bereiche, etwa die Sonne im Gegenlicht, gleichzeitig wiedergegeben werden können. Das menschliche Auge kann einen enormen Dynamikumfang von mehr als 24 Blendenstufen erfassen – eine beeindruckende Fähigkeit. Dabei bedeutet eine Blendenstufe jeweils eine Verdopplung der Lichthelligkeit.
Dieses Bild zeigt, wie ein SDR-Foto auf einem Display dargestellt wird. (Bild: Markus Poguntke)
Standard Dynamic Range
Bis zum Jahr 2015 konnten Bildschirme lediglich einen Dynamikumfang von acht Blendenstufen wiedergeben, da die damalige Hintergrundbeleuchtung begrenzt war. Dieser limitierte Dynamikumfang wird als Standard Dynamik Range - SDR bezeichnet. In gewisser Weise schränkt diese Technologie die fotorealistische Darstellung auf Bildschirmen ein, sodass die maximale Helligkeit nur dem eines weissen Papierbogens entspricht.
Zum Vergleich: Wie eine HDR-Fotografie auf einem Bildschirm dargestellt wird. (Bild: Markus Poguntke)
High Dynamic Range
Seit 2015 haben neue Technologien, insbesondere die Einführung von OLED (Organic LED) und Mini-LEDs, zu grundlegenden Veränderungen in der Bildschirmbeleuchtung geführt. Anders als zuvor werden Bildschirme nicht mehr flächendeckend erhellt; bei OLED-Technologie leuchten die einzelnen Pixel selbständig. Im Gegensatz dazu leuchten Mini-LEDs das Bild durch tausende lokal steuerbare Lichtquellen aus. Die Nutzung dieser Vielzahl an «Mini-Taschenlampen» ermöglicht es seit einigen Jahren, dass ausgewählte Bildbereiche bis zu 16-mal heller erscheinen können als in früheren Generationen. Dadurch lässt sich ein Dynamikumfang von bis zu zwölf Blendenstufen (acht + vier zusätzliche Stufen) darstellen.
Diese bis zu vier HDR-Blendenstufen werden auch HDR-Headroom genannt. Moderne Apple MacBook Pro, iPad Pro aber auch das Apple Pro XDR Display sind in der Lage, mit Ihren Spitzenhelligkeiten von bis zu 1600 Nits einen HDR-Headroom von 4.0 Blendenstufen perfekt darzustellen.
Seit ein paar Jahren macht sich die Fotobearbeitung und Fotodarstellung diesen Technologie-Durchbruch zunutze. Um diesen erweiterten Dynamikumfang nutzen und speichern zu können, wurden neue Dateiformate wie HEIF (Apple Einführung 2017 mit iOS11) und AVIF oder JPG-XL entwickelt, die mehr und mehr Verbreitung finden.
Schematische Darstellung der HDR-Dynamikerweiterung. (Bild: Markus Poguntke)
Wie funktioniert die HDR-Fotodarstellung
Die Grundlage für HDR-Fotos bildet nach wie vor ein normales Foto mit «Standard Dynamikumfang» (SDR). Neu kommt eine sogenannte «Gain Map» hinzu, die festlegt, welche Bereiche des SDR-Bildes zusätzlich aufgehellt werden sollen – sie verstärkt also den Lichtwert einzelner Bildpunkte. Diese zusätzliche Helligkeit wird jedoch nur sichtbar, wenn das Bild auf einem OLED- oder Mini-LED-Bildschirm angezeigt wird und der Software die Verwendung von Gain Maps bekannt ist. Andernfalls präsentiert der Computer wie gewohnt das ursprüngliche SDR-Foto auf dem Bildschirm.
Beim schnellen Durchblättern von Fotos in der Fotos-App auf einem HDR-fähigen iPhone lässt sich dieses Verhalten gut erkennen. Direkt nach dem Scrollen erscheint zunächst die SDR-Version des Fotos ohne helle Elemente. Mithilfe der Gain Map wird dann rasch das HDR-Foto berechnet und nach kurzer Zeit angezeigt.
Darstellung eines Fotos, das von der Anzeige in SDR zu HDR wechselt. (Bild: Markus Poguntke)
Wie kann ich HDR-Fotos erstellen?
Das Thema ist noch sehr jung und deshalb kann noch nicht jede Software mit HDR-Fotos umgehen. Es gibt aber schon sehr gute Lösungen:
- iPhone nehmen seit einigen Jahren die Fotos automatisch in HDR auf und können via der Apple Foto App auf HDR-fähigen Monitoren eines iPhone, iPad oder iMac und MacBook Pro betrachtet werden.
- Digitalkameras der verschiedenen Hersteller zeichnen mittlerweile Fotos alternativ direkt in HDR-fähigen Foto-Dateiformaten wie AVIF, HEIF oder sogar JPGs mit Gain Map auf und können auf einem HDR-fähigen Bildschirm, Fernseher oder Beamer betrachtet werden.
- Alle mit einer Digitalkamera gemachten JPG-Fotos oder RAW-Dateien können seit Oktober 2023 in Adobe Lightroom oder Adobe Lightroom Classic perfekt im HDR-Modus bearbeitet und als JPG mit Gain Maps, AVIF oder JPG-XL ausgegeben werden. Diese Formate können sehr gut in einem aktuellen MacBook Pro oder iPad Pro direkt oder auch auf einem Fernseher oder Beamer, der via HDMI / USB-C-Kabel mit dem iMac oder MacBook Pro verbunden ist, betrachtet werden.
Wie kann ich HDR-Fotos betrachten und nutzen?
Rasant steigt die Zahl der Programme und Möglichkeiten, um HDR-Fotos zu betrachten. Beispielsweise war vor ein paar Monaten die Zahl der Internet-Browser, die HDR-Fotos korrekt darstellen konnten, noch sehr limitiert. Aktuell ist die Zahl bereits auf zehn angestiegen (Stand Dezember 2025).
Lokal auf dem Apple Gerät
- HDR-Fotos auf MacBook Pro & iMac: HDR-Fotos können auf allen MacBook Pro ab M1-Generation und iMac mit angeschlossenem Apple Pro XDR Monitor im Finder oder in Apple Fotos betrachtet werden.
- HDR-Fotos auf iPad & iPad Pro: HDR-Fotos werden in Apple Fotos auf neueren iPad Modellen mit Liquid Retina oder dem Super Retina XDR Display bestens dargestellt. Auch viele andere aktuelle Modelle wie neuere iPad Air und Standard iPad unterstützen die Wiedergabe, wobei die Darstellung auf den Pro-Modellen mit XDR-Technologie am beeindruckendsten ist, da diese eine höhere Spitzenhelligkeit und Kontrast bieten.
- HDR-Fotos auf dem iPhone: Alle neueren iPhone, beginnend mit dem iPhone X, können HDR-Fotos darstellen, aber die Qualität und die Möglichkeiten haben sich enorm gesteigert. Das iPhone 12 war das erste iPhone, das Dolby Vision HDR-Videos aufnehmen konnte und moderne Modelle wie das iPhone 15 (Pro) erweiterte Funktionen bieten, die HDR-Inhalte mit beeindruckender Helligkeit (bis zu 1600-2000 Nits) darstellen.
HDR-Fotodarstellung lokal auf dem Fernseher oder einem Projektor
Du kannst das MacBook Pro oder den Mac einfach via USB-C oder HDMI mit dem HDR-fähigen Fernseher oder Projektor verbinden, um die Fotos über die Apple Fotos App in HDR geniessen zu können.
HDR-Fotodarstellung im Internet über einen Browser oder in WordPress
- Webbrowser: Mittlerweile unterstützen alle gängigen Webbrowser auf macOS, iPadOS oder iOS die Darstellung von HDR-Fotos, sofern die Fotos im JPG-Format mit Gain Map erstellt wurden. Das AVIF oder JPG-XL Fotoformat werden ebenfalls von sehr vielen Webbrowsern bereits unterstützt.
- Webbrowser mit HDR-Support: Safari, Chrome, Brave, Edge, Opera, Arc, ChatGPT Atlas, Vivaldi, Perplexity Comet und Dia.
- WordPress: Das CMS WordPress bietet HDR-Unterstützung für JPG-Fotos mit Gain Maps, vorausgesetzt die JPG-Dateien werden unverändert genutzt. In WordPress beim Import automatisch erstellte Vorschauen, Foto-Versionen in kleinerer Auflösung verlieren leider noch Ihre HDR-Eigenschaften.
HDR-Fotodarstellung in Social Media
- Instagram: HDR-Fotos in Posts (keine Storys) werden auf iOS, Android und Desktop Browsern unterstützt.
- Threads: Ähnlicher Support wie Instagram, jedoch werden Fotos in höheren Auflösungen unterstützt.
Voraussetzung für die HDR-Nutzung ist natürlich eine HDR-fähige Anzeige. Gedruckt werden können HDR-Fotos als rein emissives Medium (selbstleuchtend) aktuell nicht. Vielleicht kommt das noch, sofern zukünftig Leucht-Tinte für reflexive Medien (Druck) auf den Markt kommen. You never know …
Wie teste ich meine Anzeige / Monitor auf HDR?
Mithilfe von HDR-Test-Webseiten oder einer kostenlosen Adobe-Test-Software kann die HDR-Güte eines Bildschirms schnell und einfach bestimmt werden. Folgende Webseiten zum HDR-Testen auf einem iPhone, iPad, Mac im Safari oder Chrome Browser öffnen:
- HDR Foto-Beispielseite: Auf der Website von Markus findest du verschiedene Foto-Motive in HDR und in SDR im direkten Vergleich.
- HDR-Testseite von Greg Benz: Greg Benz ist eine Koryphäe, wenn es um HDR-Fotografie geht. Auf der Website von Greg Benz findest du verschiedene Tests, inwieweit die Anzeige HDR darstellen kann.
Adobe bietet eine kostenlose HDR Test-Software an. Dieses Programm, lokal auf dem Mac oder MacBook Pro installiert, kann durch Öffnen von HDR-Fotos exakt die HDR-Tauglichkeit und den «HDR-Headroom» eines lokalen oder externen Monitors ausmessen. Folgende Download-Links sind hierfür notwendig:
Ist dein Apple Gerät schon etwas älter
und du möchtest ein neues HDR-fähiges Modell?
Kaufberatung für ein HDR-fähiges Gerät
Apple hat die HDR-Technologie nicht nur eingeführt, sondern sie kontinuierlich weiterentwickelt und immer stärker in jede neue Generation des MacBook Pro und des iPhone integriert. Dadurch ist das iPhone zum Vorreiter für mobile HDR-Foto- und Videografie geworden, an dem sich der gesamte Markt orientiert.
Die HDR-Fotoentwicklung muss immer auf die HDR-Headroom Möglichkeit des Ausgabebildschirms abgestimmt werden, damit die hellen Dynamikbereiche noch Zeichnung aufweisen, nicht überstrahlen.
Die aktuellen MacBook Pro, iPad Pro, aber auch der Apple Pro XDR Monitor gelten als Referenz und bieten alle einen HDR-Headroom von 4.0 Blendenstufen (1600 Nits Spitzenhelligkeit); perfekte Werte und Performance für die Darstellung und Bearbeitung von HDR-Fotos. Da mittlerweile auch Mini-LED Fernseher diese Top-Werte aufweisen, sieht ein für HDR bearbeitetes Foto auf allen Bildschirmen perfekt aus. «Wenn HDR, dann mit Apple».
Wir fassen die HDR Kaufkritieren zusammen:
- Hohe Spitzenhelligkeit (ideal 1600 Nits)
- Möglichst grosse Farbraumabdeckung (mindestens P3 Farbraum, optimal BT.2020/Rec.2020 Farbraum)
- Hohes Kontrastverhältnis (mind. 1´000´000 : 1)
- USB-C mit Thunderbold 3/4 Input
Neugierig geworden? Du möchtest HDR-Fotos selbst erleben?
Wenn du das Thema live kennenlernen möchtest, dann bietet Markus dir dazu verschiedene Möglichkeiten:
- In seinem Showroom: Vereinbare einen Termin mit Markus per E-Mail. Er zeigt dir die HDR-Fotobearbeitung auf Apple-Geräten sowie die Präsentation der exportierten HDR-Bilder direkt in seinem Showroom auf Fernseher oder Kino-Leinwand – am besten anhand deiner eigenen Beispiel-Fotos.
- HDR-Workshops an der PhotoSCHWEIZ: Besuche Markus bei einem seiner Workshops zum Thema HDR an der PhotoSCHWEIZ am 6. oder 7. Februar 2026 in Zürich:
- 6.02.26 11:00 HDR-Fotoausgabe & Highspeed-Fotobearbeitung im Überblick, Link zum Workshop
- 7.02.26 17:30 HDR-Fotoausgabe im Detail, Link zum Workshop
Bei Fragen zu dem Thema darfst du Markus direkt unter info@photo-hilfe.com kontaktieren. Er freut sich darauf, wenn er es schafft, auch dich mit der HDR-Darstellung zu verzaubern.
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