Zwischen Tusche und Tablet – Alison Bechdel im Cartoonmuseum Basel


Am Mittwochabend, 24. September 2025, öffnete das Cartoonmuseum Basel seine Türen für einen besonderen Anlass: In Partnerschaft mit DQ Solutions lud das Museum zum Digital Comic Lab.


In seiner bereits zweiten Durchführung bot das Event die Gelegenheit, die Ausstellung «Alison Bechdel, The Essential» zu besuchen und selbst kreativ zu werden. Rund 25 Teilnehmende nutzten die Möglichkeit, Kunst, Technik und Bildung auf inspirierende Weise miteinander zu verbinden.


07.10.2025 10:55 | Sven Tietz

Die Teilnehmenden des Workshops lassen sich in der Ausstellung von Alison Bechdel inspirieren. (Foto: DQ Solutions)

Eintauchen in Bechdels Welt


Kuratorin und Museumsdirektorin Anette Gehrig führte die Gäste in zwei Gruppen durch die Ausstellung. Sie eröffnete einen Blick auf das Werk der bekanntesten queeren Comic-Künstlerin der USA, Alison Bechdel.

Während eine Gruppe zeichnete, besuchte die andere die Ausstellung – danach wurde gewechselt. So erlebten alle Teilnehmenden beides: das Eintauchen in Bechdels Welt und das eigene Ausprobieren mit Stift und Tablet.

Alison Bechdel, die mit ihrer Graphic Novel Fun Home weltweit bekannt wurde, verbindet in ihren Arbeiten autobiografische Geschichten, gesellschaftliche Fragen und feine psychologische Beobachtungen. Ihr Werk reicht von den frühen Comicstrips Dykes to Watch Out For über den viel zitierten «Bechdel-Test»- bis hin zu ihrer neuesten autofiktionalen Graphic Novel Spent.

Anette Gehrig verstand es, die komplexen Themen in einen erzählerischen Fluss zu bringen. Sie zeigte, wie Bechdel ihre Technik von analoger Tuschezeichnung hin zum digitalen Arbeiten entwickelte. So verband sich in den Räumen des Museums das Persönliche der Künstlerin mit ihrem gesellschaftlichen Diskurs – und das analoge Zeichnen mit dem Digitalen, das später im Workshop aufgegriffen wurde.

Namensschilder für die Teilnehmenden Lehrpersonen
Flyer-Auslage im Cartoonmuseum Basel
Teilnehmende hören Anette Gehrig zu

Vor dem Workshop wurden die Teilnehmenden von Anette Gehrig durch die Ausstellung geführt. (Fotos: 1 & 2: Cartoonmuseum Basel - Roman Holland / 3: Tom Rittmann)

Besucher:innen der Ausstellung im Cartoonmuseum Basel

Alison Bechdel - The Essential – Eine Ausstellung mit vielen Gesichtern. (Foto: Cartoonmuseum Basel / Roman Holland)

Vom Papier ins Digitale

Im obersten Stockwerk wartete das Atelier – ein
Raum voller Stifte, Papier und iPads. Dort empfing
die Illustratorin und Kunstvermittlerin Malin Widén
die Teilnehmenden zu ihrem Workshop.

Wir den erhielten drei Kärtchen – für ein
Adjektiv, das einen selbst beschreibt, eine
besondere Fähigkeit und eine insgeheim
gewünschte Superkraft. Diese Stichworte dienten
als Vorlage für ein kleines Selbstporträt, das zunächst
mit Stift auf vorbereitete Vorlagen gezeichnet wurde. 

Der nächste Schritt: Die Zeichnungen wurden mit der App
Procreate auf das iPad übertragen. Dort eröffneten sich digitale
Möglichkeiten – Farben, Ebenen, Pinsel, Effekte. So verband Malin
mit den Teilnehmenden die analoge mit der digitalen Welt. Solche
Übungen lassen sich sicher ohne grossen Aufwand auch in ein
Klassenzimmerübertragen – kreative Selbstreflexion, Einstieg ins
bildnerische Erzählen und der Brückenschlag zwischen klassischem
Zeichnen und digitalem Gestalten.

Im Workshop dürfen die Teilnehmenden selbst kreativ werden. (Fotos: 1: DQ Solutions / 2 & 3: Cartoonmuseum Basel / Roman Holland)

Inspiration im Prozess und im Austausch


Die Stimmung im Workshop war lebendig und konzentriert zugleich. Es wurde gelacht, experimentiert, ausgetauscht. Kreativität entsteht im Tun, im Spielen, im Miteinander. Malin Widén gelang es, die Teilnehmenden dort abzuholen, wo sie standen: Anfänger:innen erhielten eine einfache Einführung, Fortgeschrittene konnten neue Werkzeuge und Techniken entdecken.

Beim abschliessenden Apéro wurden Eindrücke geteilt, Kontakte geknüpft und Gespräche geführt.

Die Verbindung von Kunst und Technologie, von analoger Zeichnung und digitaler Gestaltung, hat inspiriert und Lust gemacht, mit vielseitigen Apps wie Procreate zu experimentieren oder einfach loszuzeichnen.

Der Abend im Cartoonmuseum brachte also Kunstvermittlung, digitale Tools, Austausch und Gemeinschaft auf besondere Weise zusammen.

Jeder einzelne Teilnehmende konnte vom Workshop Neues für sich mitnehmen. (Foto: Cartoonmuseum Basel / Roman Holland)

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